Im Gespräch mit Konzernleiter Pascal Grieder 

«Die Post steht solide da, aber wir haben Handlungsdruck»

Die Post schliesst das Geschäftsjahr 2025 mit einem soliden Ergebnis ab. Konzernleiter Pascal Grieder ordnet es ein, spricht über den Handlungsdruck und darüber, wie die Post ihr Kerngeschäft stärkt, fokussiert wächst und in den internen Bereichen einfacher und schneller wird, um auch künftig relevant zu bleiben.

Pascal, du hast dir in den letzten Monaten ein umfassendes Bild der Post gemacht, warst vor Ort, hast mitangepackt. Wie geht’s der Post?

Ja, ich war viel unterwegs, habe viele Teams getroffen, viel gelernt und spannende Eindrücke gesammelt. Überall spürt man, wie relevant die Post für die Schweiz ist – und auch, wie dynamisch sich ihr Umfeld verändert. In einem Satz: Die Post steht solide da, aber wir haben Handlungsdruck.

Jetzt ist das Geschäftsergebnis 2025 publiziert. Wie ordnest du das Jahr ein?

Wenn ich das finanzielle Ergebnis anschaue, muss ich ehrlich sein: Gegenüber dem Vorjahr ist der Betriebsertrag um rund 300 Millionen Franken gesunken, der Konzerngewinn um 20 Millionen Franken. Das entspricht nicht der Weltmeister-Ambition der Post. Gleichzeitig haben wir ein Betriebsergebnis von 332 Millionen Franken erzielt. Im internationalen Vergleich ist das ein sehr solides Ergebnis, auf das wir stolz sein dürfen.

Du sprichst von einem soliden Ergebnis: Wo hat die Post 2025 besonders überzeugt?

Sehr zufrieden bin ich mit dem Ergebnis von PostFinance. Sie hat den Konzern letztes Jahr finanziell stark gestützt. Gleichzeitig haben wir viele Innovationen lanciert, die zeigen, wohin wir uns entwickeln. Beispielsweise haben wir in Villmergen das modernste Logistikzentrum der Schweiz eröffnet. Mit AmiGo – dem neuen On-Demand-Angebot – starten wir eine der ersten autonomen Mobilitäts-Dienstleistungen in der Schweiz und sind die innovative Speerspitze in diesem Bereich. Darauf können wir stolz sein. Auch im digitalen Bereich machen wir grosse Fortschritte: Ich bin ein Heavy User der neuen Post-App. Sie hat einen grossen Schritt nach vorne gemacht, und wir optimieren unsere digitale Post laufend weiter. Die neue Sihlpost im Herzen von Zürich zeigt, wie wir unser Filialkonzept weiterentwickeln. Das sind wichtige Schritte in die richtige Richtung und sie belegen: Wir machen das Leben der Schweizer Bevölkerung jeden Tag ein kleines bisschen besser. Das ist etwas, was die Menschen realisieren, was die Menschen schätzen – und was mich stolz macht.

Wir machen das Leben der Schweizer Bevölkerung jeden Tag ein kleines bisschen besser.

Pascal GriederKonzernleiter

Trotz dieser Erfolge sprichst du von Handlungsdruck. Woher kommt der?

Kurz gesagt: Das Briefgeschäft geht zurück. Jedes Jahr verlieren wir im Brief- und Zeitungsgeschäft rund 85 Millionen Franken Umsatz. Wir müssen jedoch weiterhin die ganze Zustelltour fahren – unabhängig davon, ob eine Zustellerin oder ein Zusteller einen Brief austrägt oder fünf. Die Kosten bleiben also praktisch gleich, verteilen sich aber auf weniger Sendungen. Das Briefgeschäft ist ein Massengeschäft, und wenn die Masse wegbricht, geraten die Stückkosten unter Druck. Das können wir kompensieren, auch mehrmals. Aber es wird immer anspruchsvoller. Daher kommt der Handlungsdruck.

Wie packt die Post diese Herausforderung an?

Wir schärfen unsere Strategie und setzen drei Hebel ein. Erstens: Wir stärken unser Kerngeschäft, indem wir beispielsweise die Paketprofitabilität verbessern, das Geschäft von PostFinance in den Bereichen Vorsorgen, Zahlen und Anlegen ausbauen, PostAuto wettbewerbsfähiger machen und das Potenzial unserer Filialen besser nutzen. Zweitens: Wir wachsen fokussiert, indem wir uns auf organisches Wachstum entlang des Kerngeschäfts konzentrieren – etwa bei Swiss Post Cargo und in der digitalen Post. Die digitale Post umfasst heute insbesondere den digitalen Brief, der seit letztem Jahr Teil der Grundversorgung ist und ein wichtiges Fundament bildet, um den Service public auch in der digitalen Welt sicherzustellen. Und drittens: Wir werden in den internen Bereichen einfacher und schneller, indem wir Abläufe verschlanken, KI im Alltag nutzen und uns auf das Wesentliche konzentrieren. Diese drei Hebel verlangen mutige Entscheide – immer mit dem Anspruch, für die Schweiz Spitzenleistungen zu erbringen.

Wir müssen nicht nur für nächstes Jahr sorgen, sondern auch für die nächsten zehn Jahre. Darum gilt es jetzt, entschlossen zu handeln.

Pascal GriederKonzernleiter

Welches Ziel verfolgt die Post mit der geschärften Strategie?

Wir haben in den letzten Jahren mit unserer Strategie ein gutes Fundament gelegt. Die Richtung stimmt, die Arbeit, die getan wurde, ist sehr gut. Und wir haben das richtige Ziel vor Augen: Wir wollen unsere Kundinnen und Kunden begeistern. Das tun wir mit Top-Qualität, zu fairen Preisen und mit einfachen Produkten. Gleichzeitig bleiben wir innovativ, damit wir nicht nur heute Weltmeister sind, sondern auch in zehn Jahren. So stellen wir sicher, dass die Grundversorgung finanziell tragfähig bleibt. Darauf sind wir stolz und daran halten wir fest – gestern, heute und morgen. Ebenso wichtig: Die Post nimmt die Bedürfnisse der Bevölkerung, der Umwelt und der Mitarbeitenden ernst. Das gehört zu unserer DNA und das behalten wir bei.

Interview zum finanziellen Ergebnis mit Alex Glanzmann, Leiter FinanzenKommentar zum GeschäftsergebnisDie Strategie und das Ergebnis der Post im Detail im Geschäftsbericht (PDF)