Interview mit Alex Glanzmann, Leiter Finanzen
«Die Post will als wichtige Schweizer Institution für die Bevölkerung relevant bleiben und investiert deshalb bewusst in die Zukunft ihrer Logistik, ihres Netzes und ihrer Dienstleistungen.»
Alex Glanzmann, Leiter Finanzen, blickt auf ein anspruchsvolles Jahr 2025 der Post zurück. Trotz sinkender Briefmengen und Tiefzinsumfeld erzielte die Post ein zufriedenstellendes Ergebnis, stärkte ihre Effizienz und investierte weiter in ihre Zukunft. Der Handlungsdruck steigt aber weiter an.
Alex, welche Erkenntnisse aus deiner Zeit als Interims-Konzernleiter der Post im letzten Jahr konntest du in deine Rolle als Leiter Finanzen mit zurücknehmen?
Die Interimszeit als Konzernleiter war eine sehr spannende Erfahrung und hat mir nochmals eine andere Perspektive auf die Post eröffnet. In den zahlreichen Gesprächen mit Politik, Wirtschaft und unseren Kundinnen und Kunden ist mir aufs Neue bewusst geworden, wie wichtig unser Service public für das tägliche Funktionieren der Schweiz ist und welchen Stellwert die Post in der Gesellschaft hat. Gleichzeitig zeigen sich weiterhin strukturelle Herausforderungen. Diese packen wir auf allen Ebenen gezielt an.

Wir wussten, dass 2025 ein schwieriges Jahr wird und der Handlungsdruck weiter ansteigt.
Wie ordnest du das Jahresergebnis 2025 aus Sicht als Leiter Finanzen ein?
Wir haben insgesamt ein gutes finanzielles Fundament und ein zufriedenstellendes Ergebnis erwirtschaftet, trotzdem ist das Betriebsergebnis um 82 Millionen Franken tiefer als im Vorjahr. Wir wussten, dass 2025 ein schwieriges Jahr wird und der Handlungsdruck weiter ansteigt. Weitgehend fixe Kostenstrukturen, der weitere Rückgang der Briefmenge, rückläufige Entwicklung im Schaltergeschäft sowie das Tiefzinsumfeld führten zu diesem tieferen Ergebnis. Auf der anderen Seite sehen wir auch positive Signale: Die Paketmenge hat sich erstmals seit drei Jahren wieder erholt. Zudem werden digitale Dienstleistungen deutlich stärker genutzt.
Welche Massnahmen hat die Post 2025 ergriffen, um das Ergebnis zu sichern?
In einem Umfeld mit zunehmendem Handlungsruck haben wir im vergangenen Jahr ergebnissichernde Massnahmen eingeleitet, die das Betriebsergebnis in zweistelliger Millionenhöhe gestützt haben. Dazu gehörten beispielsweise die Priorisierung von Projekten, Anpassungen beim Einkauf externer Dienstleistungen sowie vor allem in den internen Bereichen die Schärfung von Tätigkeitsbereichen. Wichtig dabei ist: Wir arbeiten kontinuierlich an uns selbst, senken Kosten und bleiben leistungsfähig. Dabei bleibt die Qualität unserer Dienstleitungen unverändert hoch.
Die Transformation der Post schreitet voran. Wie spiegeln sich diese Investitionen im Jahresabschluss wider?
Die Post will als wichtige Schweizer Institution für die Bevölkerung relevant bleiben und investiert deshalb bewusst in die Zukunft ihrer Logistik, ihres Netzes und ihre Dienstleistungen. Im aargauischen Villmergen haben wir beispielsweise das bisher grösste Lagerlogistikzentrum eröffnet. Auf einer Fläche von rund acht Fussballfeldern lagert, verarbeitet und versendet die Post Waren für Geschäftskunden aus Handel und Gesundheitswesen. Mit der Aufnahme des Digitalen Briefs in die Grundversorgung können Post-Kundinnen und -Kunden zudem künftig wählen, ob sie ihre Post physisch oder digital erhalten möchten. Im vergangenen Jahr haben wir uns auch stark auf die Konsolidierung und Integration der zugekauften Unternehmen konzentriert, damit wir Synergien realisieren und das Angebot für Kundinnen und Kunden weiterentwickeln können.
Die Paketmenge hat sich erstmals seit drei Jahren wieder erholt. Zudem werden digitale Dienstleistungen deutlich stärker genutzt.
Welche Aufpassfelder und Chancen erwartest du für 2026 und welche Hebel sind entscheidend?
Auf der Chancen-Seite gehen wir von weiterem Wachstum bei den Paketzahlen aus. Wir hoffen zudem, dass sich die Märkte erholen und beispielsweise auch die Güterlogistik wieder anzieht. Besonders viel Potenzial sehen wir bei der Digitalisierung von Behörden und KMU. Hier will die Post auch künftig ein verlässlicher und vertrauenswürdiger Partner sein. Herausfordernd bleiben die konjunkturelle und geopolitische Entwicklung, die Konsumentenstimmung und das Tiefzinsumfeld. Insgesamt erwarten wir, dass wir mit Effizienz- und Preismassnahmen sowie Investitionen in die Zukunft das Ergebnis in den nächsten Jahren weiter stabilisieren können. Voraussetzung dafür sind ein zeitgemässes regulatorisches Umfeld und ausreichend unternehmerischer Handlungsspielraum.
Kommentar zum GeschäftsergebnisErgebnis im Detail im Geschäftsbericht der Schweizerischen Post (PDF)